Wichtig ist, viel Gelassenheit und Geduld mitzubringen

Programm: 
Pflegepraktikum Sansibar

Krankenhaus Sansibar - Erfahrungsbericht 

Für mich ging es dieses Jahr von Mai bis Juli für zehn Wochen nach Tansania. In den ersten beiden Monaten habe ich ein Orientierungspraktikum in einem Hospital auf Sansibar gemacht. Es ist eines der größten Krankenhäuser auf Sansibar und man kann als Praktikant oder Volunteer dort viel sehen.

Tätigkeiten & Eindrücke

Ich persönlich war vier Wochen in der Kinderklinik und danach noch für vier Wochen auf der Inneren. Zu Beginn wussten die einheimischen Ärzte nicht so wirklich wo sie mich als Praktikantin einordnen sollten. Ich habe ihnen erklärt, dass ich mein Medizinstudium noch nicht begonnen und auch sonst keine medizinische Ausbildung habe.

Es wurde mir angeboten Blut abzunehmen, zu spritzen, Katheter zu legen und vieles mehr, was ich allerdings ablehnte. Da aber außer mir meistens noch viele einheimische Studenten im Krankenhaus waren, mit welchen ich mich zum Teil sehr gut anfreundete, hatte ich die Chance mit diesen zu lernen wie man Patienten richtig untersucht und behandelt.

Wir hörten die Patienten ab, führten EKGs durch, übten das Durchführen einer Bauchpalpation (Abtastung) und ähnliche Tätigkeiten. Ich durfte immer an den morgendlichen Besprechungen teilnehmen und mit zur Visite kommen. Von der Inneren Station aus schaffte ich es auch Einblicke in die Intensivstation, die Kardiologie, das Röntgen und den Ultraschall zu bekommen.

Hier traf ich auch zum ersten Mal auf europäische Ärzte. Das tat ziemlich gut, denn gerade im Krankenhaus kann die gemütliche und entspannte Wesensart der einheimischen Ärzte für uns Europäer manchmal sehr anstrengend sein. Besonders wenn die schwerkranken Patienten gleich nebenan liegen, aber sich zum Teil niemand so richtig verantwortlich fühlt.

Mir gelang es zum Glück recht gut mich auf die Umstände vor Ort einzulassen, trotzdem beschäftigten mich die Eindrücke aus dem Krankenhaus sehr. Es gab eigentlich jeden Tag/Nacht Vorfälle auf den Stationen, zum Teil weil schlicht nicht genügend Blutkonserven, Plätze auf der Intensivstation, Dialysemöglichkeiten etc. vorhanden waren.

Es ist also auf jeden Fall wichtig viel Gelassenheit und Geduld mitzubringen. Zudem muss man oft die Eigeninitiative ergreifen und auf Ärzte, Krankenschwestern oder Studenten zugehen, die einem dann allesamt gerne etwas zeigen oder erklären.

Kultur & Erlebnisse

Die Einheimischen sind außerhalb der touristischen Gebiete im Allgemeinen sehr offen, hilfsbereit und sprechen einen auch oft auf der Straße direkt an, wollen helfen, etwas Smalltalk machen, ein paar neue Wörter Englisch lernen oder einen einfach nur Willkommen heißen.

Jeden Tag kam ich auf meinem Nachhauseweg an Gruppen kleiner Kinder vorbei die ganz aufgeregt ´Hiiiii, Muzungu Hiiiiii´ riefen, meine Hand halten wollten oder lachend nach Geld fragten. Nervig sind allerdings einige Verkäufer in Stone Town und herumlungernde junge Männer, die einen als weiße Frau dauernd ansprechen und oft nur schwer abzuschütteln sind.

Ich fand es auch sehr spannend während des Ramadan und der Regenzeit dort zu sein, obwohl wir beinahe jeden Tag komplett nass wurden und Essen und Trinken in der Öffentlichkeit für alle Tabu war. Zudem wurden in dieser Zeit auch die Kleidungsvorschriften sehr eng gesehen und ich habe mich nur in langen Hosen und Röcken wohlgefühlt.

Freizeit & Touren

Als es dann im Juni plötzlich trocken wurde, habe ich mit den anderen Freiwilligen oft die Wochenenden an den Stränden der Ostküste verbracht. Leider lag ich auch zweimal im Bett, einmal mit Magen Darm (hier müssen die meisten Volunteers einmal durch) und einmal mit leichtem Fieber.

Als es für mich dann schließlich aufs Festland ging, war ich sehr wehmütig und wäre gerne noch ein paar Wochen geblieben. Auf dem Festland hatte ich zwei Touren gebucht. Die erste in Morogoro mit einer traumhaften Safari und einer kleinen Wanderung, die zweite bei den Massai. Letztere führte mich und zwei andere Volunteers mitten in den Busch, wo wir das Glück hatten zwei authentische Feste mitsamt den traditionellen Tänzen mitzuerleben. Es war ein ganz besonderes Erlebnis, direkt bei einer Massai Familie zu wohnen, jeden Morgen frische Milch zu trinken und beim Hüten und Schlachten der Tiere dabei zu sein.

Einen Aufenthalt in Sansibar/Tansania kann ich nur empfehlen, allerdings sollte man sich keine allzugroßen Illusionen über die Standards und Gegebenheiten dort machen. Diese sind in den Projekten und Student Häusern sehr afrikanisch; also einfach. An einfachem Essen und Badezimmercharme sollte man sich nicht arg stören. Im Vergleich zu den Hütten und Häusern der Einheimischen sind die Student Häuser (ich war in Mpendae und Dar Es Salaam) allerdings kleine Villen!!!

Erfahrungsbericht aus dem Orientierungspraktikum in Tansania/Sansibar von Ruth M., Juli 2019

Ruth M., Juli 2019