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Farmstay Erfahrungen: Was man auf dem Bauernhof im Ausland über nachhaltiges Leben und Gartenideen lernt

Wer einmal ein paar Wochen auf einer Farm im Ausland verbracht hat, sieht seinen eigenen Garten danach mit anderen Augen. Das hört man immer wieder von Leuten, die nach einem Farmstay zurückkommen – plötzlich wird über Kompost, Fruchtfolge und Regenwasser geredet, als wäre das selbstverständlich. Ist es aber nicht, zumindest nicht für die meisten von uns im Alltag zwischen Bürojob und Stadtwohnung.

In diesem Artikel geht es genau darum: Was ein Farmstay eigentlich ist, wo man so etwas machen kann, und vor allem – was man dabei über nachhaltiges Leben lernt, das sich danach tatsächlich im eigenen Garten umsetzen lässt.

Was genau ist ein Farmstay im Ausland?

Kurz gesagt: Man lebt für eine gewisse Zeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ausland und hilft dort mit. Im Gegenzug bekommt man Unterkunft und Essen in einigen Ländern, in anderen ein Taschengeld (wo dies gesetzlich erlaubt ist) und in weiteren wiederum muss man für den Farmaufenthalt eine Aufwandsentschädigung zahlen. Klingt simpel, ist es im Kern auch. Viele Anbieter betonen dabei, dass man eher als Familienmitglied behandelt wird, als als billige Arbeitskraft – wobei das natürlich auch davon abhängt, auf welche Farm man gerät.

Das Wort selbst ist ja schon ziemlich selbsterklärend: ein Aufenthalt (Stay) auf einer Farm. Meistens kommt da noch einiges dazu – Sprachpraxis, kultureller Austausch, manchmal auch ein bisschen Reisen drumherum.

Farmstay oder Ranchstay?

Hier verwechseln viele die Begriffe, was eigentlich nicht weiter verwundert. Ranchstay bezieht sich meistens auf Betriebe mit Pferden oder größerem Vieh, während Farmstay etwas breiter gefasst ist und auch Ackerbau, Gemüseanbau oder gemischte Landwirtschaft einschließt.

Weinanbau

Foto von Dan Meyers auf Unsplash

In welchen Ländern macht man am besten einen Farmstay?

Die Liste der möglichen Länder ist eigentlich ziemlich lang, aber ein paar Klassiker tauchen immer wieder auf.

Kanada ist wohl der Allrounder unter den Zielländern. Von Getreidefarmen in den Prärien bis zu Pferderanches in British Columbia – die Bandbreite ist groß, und viele Programme funktionieren ohne klassisches Arbeitsvisum.

Neuseeland punktet mit seinen Schaf- und Rinderfarmen, die das Landschaftsbild prägen. Wer sich für nachhaltige Weidewirtschaft interessiert, ist hier ziemlich gut aufgehoben.

In den USA läuft vieles über Familienanschluss – man wohnt direkt bei der Gastfamilie, hilft im Alltag mit, ist bei Festen dabei. Je nach Bundesstaat liegt der Fokus auf Pferden, Ackerbau oder einer Mischung aus allem.

Irland ist eher das gemütlichere Ende der Skala: kleinere, oft familiengeführte Farmen, viele davon mit Pferden, und ein Lebenstempo, das deutlich ruhiger ist als anderswo.

Australien dagegen ist eine Nummer größer – wortwörtlich. Die Ranches sind riesig, das Klima fordert einiges ab, vor allem Hitze und Trockenheit. Genau das macht es aber auch zu einem guten Lernfeld, wenn man sich später für wassersparendes Gärtnern interessiert.

Was muss man mitbringen, um überhaupt mitmachen zu können?

Je nach Anbieter unterscheiden sich die genauen Anforderungen, aber ein paar Punkte tauchen praktisch überall auf:

  • Volljährig sollte man sein, oft mit einer Altersobergrenze irgendwo zwischen 30 und 35 Jahren (wegen der Visabestimmungen)
  • Englisch auf einem Niveau, das für den Alltag mit der Gastfamilie reicht – muss kein perfektes Business-Englisch sein
  • Eine gewisse körperliche Fitness, denn früh aufstehen und bei jedem Wetter draußen arbeiten ist meistens Teil des Deals
  • Bereitschaft, sich auf einfachere Lebensumstände einzustellen und einen anderen Tagesrhythmus zu akzeptieren
  • Bei Pferdefarmen wird oft etwas Vorerfahrung im Umgang mit Tieren erwartet, sonst eher nicht zwingend

Wie läuft die Planung eines Farmstays eigentlich ab?

Die meisten seriösen Anbieter gehen nach einem ziemlich ähnlichen Schema vor. Erst eine unverbindliche Anmeldung, dann ein Beratungsgespräch, in dem geklärt wird, welches Land und welcher Zeitraum überhaupt passen. Danach folgt die eigentliche Buchung, anschließend die Vorbereitung – Visum, Versicherung, Flug, Packliste, all das eben. Bei der Ankunft im Zielland gibt es bei vielen Programmen ein Airport-Pickup, und dann beginnt das eigentliche Abenteuer: Einleben auf der Farm, die Gastfamilie kennenlernen, die ersten Aufgaben übernehmen.

Was lernt man dabei eigentlich über nachhaltiges Leben?

Und hier kommt der Teil, der eigentlich am interessantesten ist – zumindest für alle, die nicht nur reisen, sondern auch etwas mitnehmen wollen. Wer Wochen oder Monate im Takt eines landwirtschaftlichen Betriebs lebt, entwickelt fast nebenbei ein anderes Gefühl für Ressourcen und Kreisläufe.

Auf den meisten Farmen wird erstaunlich wenig weggeworfen. Tiermist landet im Kompost, Ernteabfälle gehen zurück an die Tiere, Regenwasser wird aufgefangen, wo es nur geht. Diese Logik – nichts ist wirklich Abfall, alles fließt irgendwo wieder zurück – ist eigentlich nicht kompliziert, man muss es nur einmal gesehen haben, um es zu verstehen.

Auch das Gefühl für Saisonalität verändert sich. Wenn man selbst erntet, was später auf dem Tisch landet, wirken Tomaten im Dezember plötzlich seltsam, während der erste Salat im Frühjahr fast wie ein kleines Ereignis erscheint.

In trockenen Regionen – Teile Australiens oder Neuseelands etwa – lernt man außerdem ziemlich schnell, wie wertvoll Wasser eigentlich ist. Effiziente Bewässerung ist dort kein nettes Extra, sondern Notwendigkeit. Und genau dieses Wissen lässt sich später zu Hause gut gebrauchen, ganz unabhängig davon, ob man einen großen Garten oder nur ein paar Töpfe auf dem Balkon hat.

Gemüse- und Kräutergarten

Foto von Zoe Richardson auf Unsplash

Gartenideen, die man direkt vom Farmstay mit nach Hause bringt

Ehrlich gesagt: Viele Rückkehrer erzählen, dass sie ihren eigenen Garten nach so einem Aufenthalt komplett umgekrempelt haben. Nicht radikal von einem Tag auf den anderen, aber Stück für Stück kommen Ideen rein, die man auf der Farm gesehen hat. Wer das Ganze etwas strukturierter angehen möchte, bevor der erste Spaten in die Erde geht, kann sich vorab mit einem Gartenplaner online kostenlos ans Werk machen und Beete, Fruchtfolge und Bewässerung erstmal digital durchspielen – spart am Ende einiges an Frust und Fehlversuchen.

Hochbeete mit Mischkultur sind ein gutes Beispiel: Auf der Farm wird oft genau überlegt, welche Pflanzen nebeneinander stehen, damit Schädlinge weniger Chancen haben und der Boden besser genutzt wird. Lässt sich eins zu eins auf ein normales Hochbeet im eigenen Garten übertragen.

Ein einfacher Komposthaufen, wie er praktisch auf jeder Farm steht, funktioniert übrigens auch im Kleingarten oder sogar im Vorgarten erstaunlich gut – und reduziert ganz nebenbei den Bioabfall im Haushalt.

Bei der Bewässerung lohnt sich ein Blick auf das, was man auf Ranches sieht: Tropfschläuche, Regentonnen, einfache Systeme ohne viel Technik. Lässt sich günstig nachbauen und spart auf Dauer ordentlich Wasser.

Und wer von der Farm einen saisonalen Anbauplan im Kopf mitgenommen hat – wann was gepflanzt, wann was geerntet wird –, kann genau dieses Wissen für den eigenen Kräuter- oder Gemüsegarten nutzen, am besten mit einem digitalen Pflanzplan, der die Aussaat- und Erntezeiten automatisch im Blick hat.

Manche gehen sogar noch weiter und gestalten ihren Garten nach dem Aufenthalt bewusst naturnaher: weniger Rasen, mehr Nutzpflanzen, ein Streifen Wildblumen für Bienen und andere Insekten. Kein Wunder eigentlich, wenn man wochenlang gesehen hat, wie viel ein bisschen mehr Wildwuchs bewirken kann.

Was kostet das alles?

Das ist sehr unterschiedlich. Bei vermittelten Farmstay-Programmen zahlt man dagegen in der Regel ein Vermittlungsentgelt, das je nach Anbieter Versicherung, Flughafenabholung, Betreuung vor Ort und manchmal sogar eine Jobgarantie einschließt. Kost und Logis sind bei den meisten Programmen im Preis inbegriffen – schließlich ist die Mitarbeit auf der Farm genau dafür der Ausgleich.

Häufige Fragen rund um Farmstays im Ausland

In welchen Ländern sind Farmstays besonders beliebt? Kanada, Neuseeland, die USA, Irland und Australien stehen ganz oben auf der Liste – wahrscheinlich weil dort sowohl die Infrastruktur für solche Programme gut ausgebaut ist als auch die Sprachbarriere überschaubar bleibt.

Wie lange dauert so ein Aufenthalt normalerweise? Von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten ist alles möglich. Viele Programme verlangen aber eine Mindestdauer von vier bis sechs Wochen, damit sich der Aufwand für beide Seiten überhaupt lohnt.

Braucht man landwirtschaftliche Vorerfahrung? Nicht unbedingt. Die meisten Programme sind explizit für Einsteiger gedacht, das Nötigste lernt man direkt vor Ort.

Welche Versicherung braucht man dafür? Eine Auslandskranken- und Unfallversicherung ist empfehlenswert, idealerweise eine, die auch landwirtschaftliche Tätigkeiten mit abdeckt – das ist nämlich nicht überall automatisch der Fall.

Lohnt sich das Ganze, wenn man eigentlich nur an Gartenideen interessiert ist? Durchaus. Gerade Programme mit Gemüseanbau, Permakultur oder Selbstversorgung liefern jede Menge praktisches Wissen, das sich später direkt im eigenen Garten umsetzen lässt.

Zum Schluss

Ein Farmstay verändert oft mehr als nur den Reisepass – mit einem weiteren Stempel ist es selten getan. Wer einige Wochen im Rhythmus einer Farm gelebt hat, bringt meist ein ziemlich praktisches Verständnis für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft mit nach Hause. Und genau dieses Verständnis lässt sich gut in den eigenen Garten übersetzen: neue Beete, ein Komposthaufen, vielleicht sogar ein etwas wilderer Vorgarten. Wer dabei nicht ganz planlos vorgehen möchte, fängt am besten schon vorher an zu skizzieren, was am Ende dabei herauskommen soll.

 

Bildnachweis:

Foto von The Brewers auf Unsplash

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