Kanada lässt sich mehrmals entdecken. In den verschiedenen Lebensphasen gibt es eigene Zugänge, jeweils mit eigenen Regeln, Visa und Altersgrenzen. Wer mit 15 an einer High School in Ontario lernt, kann mit 22 in Vancouver jobben und mit 26 ein fachliches Praktikum in Toronto machen. Die Etappen bauen aufeinander auf. Sprachniveau, Kontakte und erste Erfahrungen im kanadischen Alltag machen jede folgende Station leichter.
Der früheste Einstieg liegt in der Schulzeit. Ein Auslandsjahr in Kanada passiert meist in der 10. oder 11. Klasse, also im Alter zwischen 15 und 18. Zuhause sind vor allem die öffentlichen School Districts. Sie haben eigene Programme für internationale Schüler und kümmern sich um die Unterbringung in Gastfamilien.
Bildung ist in Kanada Ländersache. Lehrpläne, Fächerangebot und Abschlussanforderungen unterscheiden sich also zwischen British Columbia, Alberta, Ontario oder Nova Scotia. Das Schuljahr dauert von Anfang September bis Juni, viele Schulen arbeiten im Semestersystem: pro Halbjahr werden nur vier Fächer belegt, dafür täglich und in längeren Unterrichtsblöcken. Wahlfächer wie Outdoor Education, Film oder Marine Biology gehören vielerorts zum regulären Angebot.
Formal sind drei Punkte wichtig:
Nach der Schule öffnet sich das Programm International Experience Canada (IEC). Deutsche Staatsbürger zwischen 18 und 35 Jahren dürfen teilnehmen. In der Kategorie Working Holiday darf ein Jahr mit offener Arbeitsgenehmigung verbracht werden. Damit darf bei fast jedem Arbeitgeber und überall in Kanada gearbeitet werden, ein Arbeitsvertrag vor der Einreise ist nicht erforderlich.
Der Ablauf ist genau festgelegt. Zunächst wird ein Online-Profil angelegt und in einen Bewerberpool aufgenommen. Aus diesem Pool beziehen die Behörden in regelmäßigen Runden die Einladungen. Eine Garantie darauf gibt es nicht. Auf die Einladung folgt dann der eigentliche Antrag mit Gebühren für die Teilnahme, die offene Arbeitserlaubnis und die biometrische Erfassung.
Bei der Einreise schauen die Grenzbeamten dann genau auf zwei Nachweise: über finanzielle Mittel in Höhe von mindestens 2.500 kanadischen Dollar und über eine Krankenversicherung für die gesamte Dauer des Aufenthalts. Deckt die nur sechs Monate ab, wird auch die Arbeitserlaubnis nur sechs Monate ausgestellt.
Die IEC hat neben Working Holiday zwei weitere Kategorien. Young Professionals richtet sich an Menschen mit einem konkreten Jobangebot, das der eigenen Weiterbildung dienen soll. Die Arbeitserlaubnis ist dann an diesen einen Arbeitgeber gebunden. International Co-op richtet sich an Studierende, deren Praktikum fester Bestandteil des Studiums ist. Sie müssen während des gesamten Verfahrens an einer Hochschule eingeschrieben sein und einen Praktikumsvertrag vorlegen.
Deutsche dürfen zweimal an der IEC teilnehmen, jedoch jeweils in einer anderen Kategorie. Daraus ergibt sich eine naheliegende Reihenfolge. Zuerst kommt ein Jahr Working Holiday zur Orientierung. Später folgt dann ein Co-op-Praktikum oder eine Stelle über Young Professionals mit klarem fachlichen Bezug. Wer so plant, hat so bis zu zwei Jahre kanadische Arbeitserfahrung auf dem Lebenslauf stehen, die sich sehen lassen kann.
